KI-Prompts für Makler: 10 Sofort-Tipps, die im Makleralltag wirklich Zeit sparen
93 Prozent der Immobilienunternehmen setzen auf KI – aber weniger als 8 Prozent der Makler nutzen sie systematisch. Zehn fertige Prompt-Vorlagen für Exposé, Nachfass-Mail, Einwandbehandlung und Anfragen-Qualifizierung, inklusive der drei DSGVO- und Haftungs-Leitplanken.
KI-Prompts für Makler: 10 Sofort-Tipps, die im Makleralltag wirklich Zeit sparen
Die Zahlen sind widersprüchlich – und genau darin liegt Ihre Chance. Laut einer JLL-Erhebung setzen 93 Prozent der deutschen Immobilienunternehmen KI bereits ein oder planen die Einführung. Gleichzeitig zeigt eine Immowelt-Umfrage: Weniger als 8 Prozent der Makler nutzen KI-Tools systematisch. Die meisten haben ChatGPT oder Claude einmal geöffnet, eine Frage gestellt, ein mittelmäßiges Ergebnis bekommen – und es wieder zugeklappt.
Der Unterschied zwischen "nutzlos" und "spart mir zehn Stunden im Monat" liegt fast nie am Tool. Er liegt am Prompt. Wer der KI sagt "Schreib mir ein Exposé für eine Wohnung", bekommt austauschbaren Werbetext. Wer ihr Rolle, Kontext, Zielgruppe, Tonalität und Format vorgibt, bekommt einen Entwurf, den er in fünf Minuten finalisiert statt in zwei Stunden.
Dieser Artikel liefert Ihnen zehn fertige Prompt-Vorlagen für die Aufgaben, die im Maklerbüro täglich anfallen. Kopieren, eigene Daten einsetzen, loslegen. Am Ende finden Sie außerdem die drei Leitplanken, ohne die Sie KI im Maklergeschäft nicht einsetzen sollten.
Bevor Sie starten: Die Prompt-Formel, die alles verändert
Ein guter Prompt hat fünf Bausteine. Wenn Sie sich nur eine Sache aus diesem Artikel merken, dann diese Reihenfolge:
1. Rolle – Wer soll die KI sein? ("Du bist erfahrener Immobilienmakler in München mit Schwerpunkt Altbau.")
2. Aufgabe – Was genau soll entstehen? ("Schreibe die Objektbeschreibung für ein Exposé.")
3. Kontext – Alle Fakten, die die KI nicht erraten kann. (Lage, Baujahr, Zustand, Energiewert, Preis, Besonderheiten.)
4. Zielgruppe & Ton – An wen richtet sich der Text? ("Zielgruppe: Kapitalanleger, sachlich-nüchtern, keine Superlative.")
5. Format – Länge, Struktur, Aufbau. ("Maximal 250 Wörter, drei Absätze, kein Fließtext-Marketing-Sprech.")
Der häufigste Fehler: Makler geben Baustein 1, 2 und 5 – und lassen 3 und 4 weg. Genau dort entsteht aber der Unterschied zwischen generisch und verkaufsstark. Und: Führen Sie ein Gespräch, keinen Monolog. Der erste Output ist ein Entwurf. Sagen Sie "Zu blumig, kürze um ein Drittel und streiche alle Adjektive" – und Sie sind nach zwei Runden am Ziel.
Teil 1: Prompts für Vermarktung und Objektaufbereitung
Tipp 1: Das Exposé in fünf statt 120 Minuten
Das ist der Klassiker – und der größte Hebel. Ein KI-gestütztes Exposé entsteht in rund fünf Minuten statt zwei Stunden. Das sind bei zehn Objekten im Monat rund 18 gesparte Stunden.
Prompt-Vorlage: "Du bist erfahrener Immobilienmakler. Schreibe die Objektbeschreibung für ein Exposé. Objektdaten: [Typ, Baujahr, Wohnfläche, Zimmer, Etage, Zustand, Energieausweis-Wert und -Klasse, Heizungsart, Ausstattungsmerkmale, Lage/Stadtteil, Kaufpreis]. Zielgruppe: [z. B. Familien mit zwei Kindern, Erstkäufer]. Ton: sachlich, konkret, keine Superlative, keine leeren Floskeln wie 'Traumobjekt' oder 'einmalige Gelegenheit'. Struktur: Aufmacher-Satz, Objektbeschreibung, Lagebeschreibung, Abschluss mit Handlungsaufforderung. Maximal 350 Wörter."
Der Trick, den kaum jemand nutzt: Fügen Sie zwei oder drei Ihrer besten bisherigen Exposés als Beispiel in den Prompt ein und schreiben Sie dazu: "Schreibe in genau diesem Stil." Ab diesem Moment klingt der Output nach Ihrem Büro – und nicht nach KI.
Tipp 2: Eine Lagebeschreibung, die keine Werbebroschüre ist
Lagebeschreibungen sind die Textbausteine, die am schnellsten austauschbar wirken. Lassen Sie die KI stattdessen aus Fakten arbeiten – und liefern Sie diese Fakten selbst.
Prompt-Vorlage: "Schreibe eine Lagebeschreibung für [Stadtteil, Stadt]. Diese Fakten sind gesichert und sollen eingearbeitet werden: [Kita in 300 m, Grundschule 600 m, S-Bahn-Station 5 Gehminuten mit Fahrzeit 12 Min. in die Innenstadt, Supermarkt, Naherholungsgebiet]. Zielgruppe: [Familien]. Erfinde keine Einrichtungen, Entfernungen oder Zahlen, die ich nicht genannt habe. 150 Wörter."
Der Satz "Erfinde nichts, was ich nicht genannt habe" ist Ihre wichtigste Absicherung. Die Halluzinationsraten selbst führender Modelle liegen 2026 weiterhin im zweistelligen Prozentbereich – bei Entfernungsangaben und lokalen Einrichtungen ist die KI besonders erfindungsfreudig.
Tipp 3: Ein Objekt, fünf Kanäle – in einem Durchgang
Statt für Portal, Website, Instagram, Newsletter und WhatsApp fünfmal neu zu texten, lassen Sie die KI aus einer Quelle ableiten.
Prompt-Vorlage: "Hier ist meine fertige Objektbeschreibung: [Text einfügen]. Erstelle daraus: (1) eine Portal-Kurzbeschreibung mit maximal 400 Zeichen, (2) einen Instagram-Caption-Text mit 3 Hashtags, (3) einen Newsletter-Teaser mit 2 Sätzen und Betreffzeile, (4) eine WhatsApp-Nachricht für meine Interessentenliste, maximal 3 Sätze, persönlicher Ton. Kein Emoji-Überfluss, maximal eines pro Text."
Tipp 4: Objektfotos ordnen und Bildunterschriften erzeugen
Moderne KI-Modelle können Bilder analysieren. Laden Sie Ihre Objektfotos hoch und lassen Sie sich die sinnvolle Reihenfolge sowie Bildunterschriften vorschlagen.
Prompt-Vorlage: "Hier sind 15 Fotos einer Wohnung. Schlage eine Reihenfolge für das Exposé vor, die einen logischen Rundgang ergibt, und formuliere zu jedem Bild eine sachliche Bildunterschrift von maximal 8 Wörtern. Markiere Fotos, die aus Vermarktungssicht schwach sind, und begründe kurz."
Der letzte Satz ist der eigentliche Wert: Sie bekommen eine ehrliche zweite Meinung darüber, welche Bilder Sie besser nachschießen.
Teil 2: Prompts für Kommunikation und Vertrieb
Tipp 5: Anfragen vorqualifizieren statt einzeln beantworten
Die Zeitersparnis bei der Bearbeitung unqualifizierter Anfragen liegt in der Praxis bei 60 bis 70 Prozent. Bei 50 Anfragen im Monat sind das 15 bis 20 Stunden.
Prompt-Vorlage: "Hier sind 20 Interessentenanfragen zu meinem Objekt [Kurzbeschreibung, Preis]. Sortiere sie in drei Gruppen: A = konkrete Kaufabsicht mit erkennbarer Finanzierung, B = interessiert, aber Rückfragen offen, C = unpassend oder Massenanfrage. Begründe jede Einstufung in einem Satz. Formuliere für Gruppe B je eine Rückfrage, die die entscheidende offene Information klärt."
Wichtig: Anonymisieren Sie personenbezogene Daten, bevor Sie sie in ein KI-Tool geben – dazu unten mehr.
Tipp 6: Die Nachfass-Mail nach der Besichtigung
Die meisten Makler schreiben nach der Besichtigung entweder gar nicht oder immer denselben Text. Beides kostet Abschlüsse.
Prompt-Vorlage: "Ich hatte eine Besichtigung. Notizen: [Interessent äußerte Bedenken zur Hellhörigkeit, fand Küche zu klein, Budget passt, Einzugswunsch Frühjahr]. Schreibe eine Nachfass-Mail, die: (1) die genannten Bedenken direkt aufgreift statt sie zu übergehen, (2) einen konkreten nächsten Schritt vorschlägt, (3) maximal 120 Wörter lang ist, (4) nicht verkäuferisch klingt. Erstelle drei Varianten mit unterschiedlichem Nachdruck."
Tipp 7: Einwandbehandlung vorbereiten statt improvisieren
Nutzen Sie die KI als Sparringspartner vor dem Termin – nicht als Textgenerator danach.
Prompt-Vorlage: "Du bist ein skeptischer Eigentümer, 68 Jahre, will sein Einfamilienhaus verkaufen, hat bereits zwei Maklerangebote und findet meine Provision zu hoch. Spiele das Gespräch mit mir durch. Bleibe realistisch skeptisch, gib nicht zu schnell nach. Ich beginne." Danach: "Analysiere meine Antworten. Wo war ich unklar, wo defensiv? Gib mir drei konkrete Verbesserungen."
Fünfzehn Minuten Rollenspiel vor einem Eigentümertermin sind mehr wert als jede Verkaufsschulung, die drei Monate zurückliegt.
Tipp 8: Bewertungsantworten in zwei Minuten
Google-Bewertungen wirken direkt auf Ihre lokale Sichtbarkeit – und unbeantwortete Kritik wirkt schlechter als die Kritik selbst.
Prompt-Vorlage: "Hier ist eine 2-Sterne-Google-Bewertung: [Text]. Schreibe eine öffentliche Antwort: maximal 80 Wörter, sachlich, ohne Rechtfertigung, ohne Schuldzuweisung, mit einem konkreten Angebot zur Klärung außerhalb der Plattform. Keine Textbaustein-Floskeln wie 'Ihr Feedback ist uns wichtig'."
Teil 3: Prompts, die im Hintergrund Zeit sparen
Tipp 9: Aus Gesprächsnotizen strukturierte CRM-Einträge machen
Nach dem Termin sitzen die Informationen im Kopf – und landen selten vollständig im System.
Prompt-Vorlage: "Hier sind meine unsortierten Notizen aus einem Eigentümergespräch: [Rohnotizen einsprechen oder eintippen]. Strukturiere sie in: Objektdaten, Verkaufsmotivation, Zeitrahmen, Preisvorstellung, offene Punkte, nächster Schritt mit Datum. Markiere Widersprüche und Informationen, die noch fehlen."
Der letzte Satz macht diesen Prompt wertvoll: Sie sehen sofort, was Sie im nächsten Telefonat nachfragen müssen.
Tipp 10: Der wöchentliche Marktüberblick in zehn Minuten
Prompt-Vorlage: "Hier sind die aktuellen Zahlen für meinen Markt: [Angebotspreise, Vermarktungsdauer, Anzahl Inserate, Zinsniveau – jeweils aktuell und Vorjahr]. Fasse zusammen: Was hat sich verändert? Was bedeutet das für Verkäufer, was für Käufer? Formuliere daraus drei Sätze, die ich im Eigentümergespräch verwenden kann. Interpretiere nur die Zahlen, die ich genannt habe."
KI ist keine verlässliche Quelle für Marktdaten – aber ein exzellenter Interpret für Daten, die Sie selbst liefern. Diese Unterscheidung entscheidet über Qualität und Haftungsrisiko.
Die drei Leitplanken: Was Sie nicht tun sollten
Erstens: Keine personenbezogenen Daten ohne Rechtsgrundlage. Namen, Telefonnummern, Adressen, Finanzierungsdaten von Interessenten gehören nicht ungeprüft in ein KI-Tool. Nutzen Sie Geschäftskunden-Tarife mit Auftragsverarbeitungsvertrag und deaktiviertem Training, oder anonymisieren Sie konsequent: "Interessent A" statt Klarname.
Zweitens: Sie haften für jeden Satz. Ein KI-generierter Energiewert, eine erfundene Entfernung zur Schule, eine falsche Flächenangabe – rechtlich stehen Sie dafür gerade, nicht das Tool. Jeder Output braucht eine Faktenprüfung durch Sie. Seit August 2026 gelten zudem Transparenzpflichten des EU AI Acts für KI-generierte Bilder.
Drittens: KI ersetzt nicht das, was Sie ausmacht. Sie nimmt keine Anrufe an, sie führt keine Preisverhandlung, sie baut kein Vertrauen zu einem Erben auf, der gerade seine Mutter verloren hat. Sie räumt Ihnen den Schreibtisch frei, damit Sie mehr Zeit für genau diese Gespräche haben. Makler, die KI systematisch einsetzen, berichten von 20 bis 30 Prozent mehr Abschlüssen bei gleicher Arbeitszeit – nicht weil die KI verkauft, sondern weil sie den Verkäufer entlastet.
So starten Sie diese Woche
Nehmen Sie sich nicht alle zehn Tipps vor. Suchen Sie die eine Aufgabe heraus, die Ihnen am meisten Zeit frisst – bei den meisten Maklern ist das das Exposé oder die Anfragenbearbeitung. Bauen Sie dafür einen Prompt nach der Fünf-Bausteine-Formel, testen Sie ihn an drei realen Fällen und speichern Sie die beste Version als Vorlage ab. Erst wenn dieser eine Ablauf sitzt, nehmen Sie den nächsten dazu.
Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob KI eine Spielerei bleibt oder zum Betriebssystem Ihres Büros wird: Wenn aus einzelnen Prompts wiederkehrende, dokumentierte Abläufe werden – und im nächsten Schritt automatisierte Workflows, die im Hintergrund laufen, ohne dass jemand ein Chatfenster öffnen muss.
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